Wirtschaftsfaktor Sport: Wie aus Freizeitspaß eine Milliardenindustrie wurde

Ganz gleich, ob du auf Fußball stehst, lieber American Football magst, ob Fahrradfahren, Wintersport oder eine ganz andere Disziplin: Wenn du dich mit den dahinterstehenden Geschäftszweigen, den Profis und deren Teams befasst, kommst du auch mit dem Thema Geld in Kontakt. Etwa solchen phantastischen Summen:

Patrick Mahomes, Star-Quarterback des aktuellen Super-Bowl-Gewinnerteams, Kansas City Chiefs, unterzeichnete im Sommer 2020 einen Zehnjahresvertrag. Dessen Laufzeit wird 2022 zum Ende seines bisherigen Vertrags beginnen. Erfüllt Mahomes alle Zeitvorgaben und Bonusbedingungen, wird er 2032 unglaubliche 503 Millionen Dollar verdient haben – eine halbe Milliarde Dollar und der höchstdotierte Spielervertrag in der Sportgeschichte.

Dabei ist das kein Einzelfall, diese Summe legt die Messlatte nur höher. Auch andere Sportler verdienen viele Millionen – und das sind längst nicht nur die Cristiano Ronaldos dieser Welt. Denn Sport ist in unzähligen Disziplinen nicht nur sprichwörtlich ein Milliardengeschäft, in dem selbst fantastische Summen problemlos geleistet werden können. Er ist eine Wirtschaftsmacht, die andere, ebenfalls hochprofitable Sparten in den Schatten stellt.

Wie drückt sich das in beispielhaften Disziplinen und Ländern aus und wie konnte es dazu kommen?

Wirtschaftsfaktor Sport: Das Business in der heutigen Zeit

Um die vielen historischen Hintergründe zu diesem Thema einordnen zu können, ist es notwendig, die heutige Situation zu kennen. Im Klartext: zu wissen, wie riesig die wirtschaftliche Bedeutung von Sport gegenwärtig ist.

Jobmotor und Finanztriebwerk

Konkret stehen hinter dieser wirtschaftlichen Bedeutsamkeit zwei Gründe:

  • Sport leistet in seiner Eigenschaft als Hobby und Anziehungspunkt für Millionen einen wichtigen Beitrag zur Wertschöpfung. Hier werden sehr große Summen verdient. Somit entsteht durch Steuern, Auftragsvergaben und andere Zahlungen auch ein bedeutender Faktor für andere Sektoren; beispielsweise die öffentliche Hand. Zudem beeinflusst Sport zahlreiche nachgeschaltete Branchen. Etwa Ausrüstungshersteller oder die Werbung.

  • Sport schafft viele Arbeitsplätze, direkt und indirekt. In der Saison 2018/19 generierte der deutsche Profifußball beispielsweise knapp 60.000 Arbeitsplätze. Darunter fallen Vereinsmitarbeiter ebenso wie Personal in damit verbundenen Wirtschaftszweigen – etwa Sportjournalisten, Catering oder Security. Nicht eingerechnet sind weitere vom Fußball profitierende Sparten, beispielsweise Hoteliers oder Transportdienstleister. Insgesamt, so schätzt man, generiert Profifußball hierzulande sogar rund 110.000 Jobs – mindestens.

Zwar unterscheidet sich die exakte wirtschaftliche Bedeutung zwischen den Ländern/Regionen und den Sportarten. Jedoch können einzelne Disziplinen einen beträchtlichen Anteil an der gesamten Wirtschaftsleistung haben. Beispielsweise American Football in den USA oder Fußball in der EU (und vielen anderen Ländern). Dazu in sehr vielen Staaten das große Thema Fitness.

Ausgewählte wirtschaftliche Zahlen zur Einordnung

110.000 Arbeitsplätze durch den deutschen Profifußball – dies ist vergleichbar mit einer ganzen Stadt in der Größenordnung von Bremerhaven, Trier oder Erlangen, deren Einkommen davon abhängt, dass der Ball rollt. Eine zweifellos eindrucksvolle Zahl. Allerdings wird es noch imposanter – auf EU-Level und auf das Geld bezogen:

  • Im Jahr 2019 betrug die wirtschaftliche Gesamtleistung der Europäischen Union, das Bruttoinlandsprodukt (BIP), 16,4 Billionen Euro – oder, zur besseren Vergleichbarkeit, 16.400 Milliarden Euro.
  • Der Anteil des Sports daran liegt aktuell in der Größenordnung von rund 300 Milliarden Euro, etwa 1,8 Prozent.

Zum Vergleich: Ähnlich viel erwirtschaftet die gesamte Land- und Forstwirtschaft der EU. Von den knapp 226 Millionen Werktätigen in der EU arbeiten zirka 5 Millionen direkt oder indirekt im Sportbereich – von der professionellen Rennradfahrerin bis zum Büroangestellten bei einem Hantelhersteller.

Ähnlich beeindruckend sieht es auch in Großbritannien aus. Dort trägt allein die Premier League aktuell 7,6 Milliarden Pfund zum BIP bei – das beträgt 2,1 Billionen Pfund (2100 Milliarden). Insgesamt steuert der britische Sport sogar knapp 40 Milliarden zur Wirtschaftsleistung bei. Angesichts solcher Zahlen ist es verständlich, warum im Sommer alle Beteiligten in Sportwirtschaft und Politik froh waren, als die sportlichen Einschränkungen gelockert wurden – Großbritannien kann es sich schlicht nicht leisten, einen so wichtigen Wirtschaftszweig und Steuerzahler länger als unbedingt nötig abzuklemmen.

Das gilt in vielen anderen Ländern ähnlich und war auch bei uns der Grund dafür, warum die Fußball-Bundesliga schnellstmöglich zur Normalität zurückkehren wollte und sich seitdem gegen neue Einschränkungen sträubt.

Apropos andere Länder, auch diese Zahlen solltest du kennen. Jenseits des großen Teiches, in den USA, ist Sport sogar noch bedeutender:

  • 2018 betrug das BIP der USA 20,54 Billionen bzw. 20.540 Milliarden Dollar.

  • Sport hatte insgesamt daran einen Anteil von rund 700 Milliarden Dollar – darunter fallen Teams ebenso wie Ausrüstung, Merchandise, sportliche Infrastruktur, also ebenfalls Profi- wie Amateursport und sämtliche anhängigen Branchen. Damit ist USSport sogar für 3,4 Prozent des BIP verantwortlich.

  • Der Profisport generierte davon zirka 10 Prozent, genauer gesagt rund 71 Milliarden Dollar.

  • Den größten Einzelbeitrag leistete die Football-Profiliga NFL mit rund 15 Milliarden in der 2018/19er Saison durch alle Teams.

  • Die Basketball-Profiliga NBA trug zirka 8,7 Milliarden Dollar bei.

Das Interessanteste an solchen Zahlen ist zudem, dass es kaum eine Nation gibt, in der es nicht so wäre. Immer hängen nicht nur viele Arbeitsplätze am Sport, er ist auch ein gewichtiger Einzelfaktor der Wirtschaftsleistung. Das gilt umso stärker, je höher entwickelt ein Land ist, denn dann haben Menschen mehr freiverfügbares Einkommen, das sie für Sportliches ausgeben können.

Zwar ist nicht bekannt, in welchem Land Sport den größten Anteil an der Wirtschaftsleistung hat, zumindest nicht global. Allerdings gibt es zumindest Daten für die EU: Hier ist es Österreich. Schon lange hat Sport in der Alpennation einen außergewöhnlich hohen Anteil an der Wertschöpfung. Jüngst wurde nach neuen Berechnungen jedoch bekannt, dass es tatsächlich noch mehr ist, als angenommen – 5,75 Prozent der österreichischen Wertschöpfung hängen am Sport und sogar 7,13 Prozent aller Arbeitsplätze.

Allerdings liegt das weniger daran, dass die Österreicher besonders sportlich oder sportaffin wären. Es ist vor allem Österreichs Rolle als eine der wichtigsten globalen Wintersportnationen. Wo alljährlich so viele Menschen aus zahllosen Ländern die Hänge hinabgleiten und wo die damit verbundenen Disziplinen vergleichsweise kostspielig sind, bekommt Sport automatisch einen so hohen Stellenwert.

Das Ende ist längst nicht erreicht

Dabei solltest du bedenken, dass die genannten Zahlen allesamt nur aktuelle Momentaufnahmen darstellen. Natürlich werden sie sich für 2020 und wahrscheinlich auch 2021 abschwächen, weil das Coronavirus Sport in vielerlei Hinsicht hemmte. Allerdings sind sich Wirtschaftsexperten einig, dass es nach dem Ende der Pandemie weiter nach oben gehen wird.

Denn die Pandemie erzeugte lediglich einen „künstlichen“ Rückschlag für die Sportwirtschaft. Das Hindernis sind die zunächst fehlenden Impfstoffe. Stehen sie zur Verfügung, können sämtliche Beschränkungen wieder aufgehoben werden. Anders sähe es in einer echten Wirtschaftskrise aus, die ließe sich nicht so einfach beheben.

Das heißt, wenn ein entsprechender Durchimpfungsgrad erreicht ist, wird es im Sport rasch wieder so weitergehen wie in den Jahren zuvor: aufwärts. Denn global gesehen steigt der Wohlstand rapide. Länder wie China und Indien, beide extrem bevölkerungsreich, werden immer wohlhabender. Ein Wachstum gibt es auch in vielen anderen Staaten. Damit steigen die Zahlen von Menschen, die nicht bloß Geld für lebensnotwendige Ausgaben haben, sondern auch, um Freizeitaktivitäten zu bezahlen. Sport ist nicht nur ein solches Vergnügen, sondern steht auch auf der Beliebtheitsskala der meisten Menschen weit oben:

  • Hoher Unterhaltungswert, sowohl in aktiver wie passiver Form. Also selbst ausgeübter Sport wie solcher, den man nur als Zuschauer genießt.

  • Sehr vielfältige Möglichkeiten durch die große Zahl an Disziplinen zwischen Aerobic und Zehnkampf.

  • Meist für unterschiedlichste finanzielle Hintergründe erschwinglich.

Anders ausgedrückt: Wenn eine Nation wirtschaftlich wächst, gehört Sport immer zu den ersten Vergnügungen, die sich die Einwohner gönnen. Das heißt, in den kommenden Jahren dürften die genannten Zahlen nochmals beträchtlich steigen – auch in denjenigen Ländern, in denen Sport schon längst etabliert ist. Doch wie kam es eigentlich dazu?

Vom Wettkampf zum Business: Die Geschichte des Profisports

Möge der Bessere gewinnen – die Anfänge

Wann sich Sport genau entwickelte und wie die ersten Disziplinen aussahen, darüber ist sich die Wissenschaft mangels Quellen und Funden uneins. Bekannt ist nur, dass Wettkampfgedanken den Menschen schon seit seinen Anfängen begleiten.

Eine schlüssige Theorie sieht so aus: Zu Anfang wurden Dispute zwischen Einzelpersonen, Stämmen und Clans höchstwahrscheinlich mit blutiger Gewalt ausgetragen. Mit der Fortentwicklung des zivilisierten Menschen entstand jedoch die Frage, ob sich Streits nicht auch buchstäblich „zivilisierter“ lösen ließen. Denkbar wäre es, dass die Antwort im direkten Vergleich körperlicher Leistungen lag. Sehr wahrscheinlich in Form athletischer Disziplinen wie Wettlauf oder Speerwurf.

Mit der Zeit könnten sich dann zwei Dinge zugetragen haben:

  • Diejenigen, die bei solchen Wettkämpfen Erfolge hatten, bekamen einen höheren Status innerhalb ihrer Gruppe. Es bildeten sich also bereits die ersten Stars und Fans heraus.

  • Es entstand die Erkenntnis, dass sich durch gezieltes Üben die Leistungen noch verbessern ließen. Damit erwuchs also auch schon ein Verständnis für den Wert des Trainings.

In dieser Form dürfte Sport den Urmenschen in sämtlichen besiedelten Weltregionen über Jahrtausende begleitet haben. Schließlich kamen die ersten Hochkulturen auf – und mit ihnen die ersten Formen von echtem Leistungssport.

Kraft und Geschick im alten Ägypten

Entlang des Nils entstand bereits rund 3000 Jahre vor Beginn unserer Zeitrechnung eine der ersten Hochkulturen – die erste, von der es eindeutige Überlieferungen über Sport gibt. Darüber hinaus bildete sich sowohl nachweislich ein Unterschied zwischen Kraft- und Geschicklichkeitsdisziplinen heraus wie es unterschiedliche Sportarten der herrschenden Klassen und der einfachen Bevölkerung gab:

  • Die herrschende Klasse war davon geprägt, einen Nimbus der Unbesiegbarkeit zu verbreiten. Daher waren sämtliche Disziplinen eher kriegerischer Natur – Bogenschießen, Streitwagenrennen, diverse Jagddisziplinen.

  • Für die einfachen Bürger waren viele „königliche“ Sportarten untersagt. Sie übten sich deshalb vor allem in athletischen Disziplinen – Laufen, Weitsprung, Schwimmen, allerdings auch Boxen, Ringen und andere Kampfsportarten.

Nach heutiger Erkenntnis ging es dabei primär um Imagepflege sowie aktiven und passiven Unterhaltungswert – also schon bemerkenswert ähnlich wie es auch bei uns heute ist.

Sport als Kult in Griechenland

Auf der anderen Seite des Mittelmeeres entwickelte sich ab rund 1600 Jahren vor unserer Zeitrechnung in Griechenland eine weitere Hochkultur. Zunächst war Sport dort während des sogenannten kretisch-mykenischen Zeitalters ausschließlich der herrschenden Klasse vorbehalten – die Aristokraten trugen damit Machtkämpfe aus.

Im Verlauf weniger Jahrhunderte entstand jedoch in den weiteren griechischen Epochen eine sehr ausgeprägte Sportkultur. Sie begann damit, dass Adlige an ihrer statt einen „athletai“ antreten ließen – eine besonders sportliche Person.

Verstärkt wurde diese Entwicklung noch durch die Art des Wettkampfs: In Griechenlands Regionen entstanden die panhellenischen Spiele – klassische Wettkampfveranstaltungen, zu denen auch die olympischen Spiele des Altertums gehörten. Sie wurden zu Ehren diverser Gottheiten ausgerichtet. Die Athleten (aus allen Schichten) kämpften dementsprechend in der öffentlichen Wahrnehmung um göttliche Ehre. Deshalb wurden die Sieger auch mit Ruhm überhäuft.

Angesichts der Vielzahl von Disziplinen, die weitgehend den heutigen Athletikdisziplinen entsprachen, bildete sich allmählich eine Schlüsselgruppierung heraus: athletai, die ihren Lebensunterhalt gänzlich durch Sport bestritten. Also die ersten Profisportler nach heutigem Verständnis. Gleichzeitig entstand auch eine Klasse von dazugehörigen Trainern. Und es gab sogar schon Stimmen, die diese Profis als überbezahlt kritisierten – hier ähnelten die alten Griechen auf verblüffende Weise unseren heutigen Gesellschaften.

Im weiteren Verlauf der griechischen Antike wurde es sogar noch ähnlicher. Es bildete sich ein erstrebenswerter gesunder Lebensstil heraus. Menschen aller Schichten achteten verstärkt auf ihre Ernährung, trieben Sport zur Leibesertüchtigung.

Im Klartext: Schon vor der Zeitwende war Profisport nach unserem heutigen Verständnis bereits vorhanden, erfreute sich ebenso großer Beliebtheit und Kritik. Auch die nachfolgende Hochkultur der Römer übernahm viele dieser Prinzipien. Allerdings entwickelte sich daraus auch die Gladiatorenkultur. Zwar handelte es sich bei den Kämpfern um typische Profisportler mit einem teils riesigen Fankult. Aber die Disziplinen waren ausschließlich gewalttätiger Natur und endeten oftmals im Tod des Unterlegenen.

Ende und blutiger Neuanfang

Mit dem Untergang des römischen Reiches verschwanden zumindest im europäischen Raum sämtliche geordneten Sportstrukturen. Es dauerte bis ins Mittelalter, bis sich angesichts der wieder ruhigeren Zeiten eine erneute breite sportliche Kultur entwickeln konnte.

Allerdings hatte die nur wenig von den griechisch-römischen Zeiten. Zwar wurde Sport als Wettkampf wieder zum Massenphänomen, es gab jedoch keine Profisportler mehr. Zudem waren die mittelalterlichen Disziplinen hart und körperlich – Axtwerfen, Schwertkampf Lanzenreiten. Dazu auch Tierkämpfe.

Hier zeigt sich, dass das Mittelalter in vielerlei Hinsicht roher, gröber war. Allerdings bildeten sich auch die Wurzeln des heute beliebtesten Sports überhaupt heraus: Fußball. Der jedoch war weitgehend regellos, involvierte die Hände ebenso wie Fausthiebe und Tritte. Dass Spieler KO gingen war ebenso normal wie anschließende Massenschlägereien zwischen den Anhängern der Teams.

Anders wurde es erst mit der Renaissance.

Zurück zur Hochkultur – jedoch ohne Profis

Die Renaissance griff viele Dinge aus den griechisch-römischen Hochkulturen erneut auf, darunter auch den Sport. Erstmals kehrten Wünsche nach Leibesertüchtigung und einem gesunden Lebenswandel zurück – und die Sportarten blühten regelrecht auf, enthielten sowohl klassisch-athletische Disziplinen wie solche mit militärischem Hintergrund.

Auch begann wieder ein professionelles Sportwesen – Athleten, Trainer und ähnliches Personal konnten wieder vom Sport allein ihren Lebensunterhalt bestreiten. Dann jedoch erfolgte im Verlauf der 1700er und 1800er ein erneuter Bruch, der Sport bis heute verfolgt:

Mit fortschreitenden humanistischen Ansichten, dem Aufblühen demokratischer Ideen, mit der Weiterentwicklung von Philosophie, Industrialisierung und zahlreichen weiteren gesellschaftlichen Umbrüchen entstand die Ansicht, dass es unmoralisch sei, mit Sport Geld zu verdienen. Man sah Sport als eine moralisch über dem Gelderwerb stehende Betätigung an.

Im Verlauf der 1800er entstand deshalb in vielen Ländern eine breitgesellschaftliche Sicht: Sport ist wunderbar, aber wenn er kommerzialisiert wird, verliert er seine Seele. Verständlich zwar, aber für sportliches Fortkommen folgenschwer.

Wir brauchen einfach das Geld

In der zweiten Hälfte der 1800er sowie nach der Jahrhundertwende entstanden viele Vereine, die heute noch Bestand haben – beispielsweise ein Großteil der europäischen Fußballklubs zwischen Manchester United (*1878) und Schalke 04 (*1904). Zeitgleich (1894) wurden die olympischen Spiele wiederbelebt. Jedoch geschah dies weitgehend auf unbezahlter Ebene – entweder im schulischen Rahmen, als Arbeitervereine oder reines Freizeitvergnügen.

Gerade in den Jahren vor und nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg blühte der Sport auf. Allerdings brachte das den ehrenwerten Amateurgedanken an seine Limits: Sport wurde immer stärker von wissenschaftlichen Erkenntnissen geprägt. Man erkannte immer mehr, wie Training, Ernährung, Ausrüstung und Leistung zusammenhingen. Das alles führte auf einen Punkt zu, an dem Athleten keine Möglichkeit mehr sahen, ihre Leistungen noch weiter zu steigern, ohne sich hauptberuflich dem Sport widmen zu können – für Trainer und ähnliches Personal galt das ebenso.

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann deshalb langsam in vielen Ländern und Disziplinen, eine Abkehr. Zunächst noch gegen massive Widerstände in der Bevölkerung, dann immer stärker wurde Sport professionalisiert. Wie heiß man dies diskutierte, zeigt der Fall Eintracht Braunschweig: 1973 lief das Fußballteam als erstes der Bundesliga mit Trikotwerbung auf – gemäß DFB-Regeln damals nur möglich, weil Braunschweig das Logo seines Sponsors zum Vereinswappen erkoren hatte.

In den folgenden Monaten tobten die Emotionen. Auf der einen Seite Menschen, die Sport frei vom Geld halten wollten, auf der anderen Seite diejenigen, die mit dem sportlichen und wirtschaftlichen Nutzen argumentierten. Noch bis heute läuft die Debatte gleichermaßen, argumentieren zahllose Fans gegen den „Ausverkauf“ des Fußballs und vieler anderer Sportarten. Doch schon 1974 war der Damm gebrochen:

  • Hertha BSC
  • MSV Duisburg
  • Fortuna Düsseldorf
  • FC Bayern München
  • Eintracht Frankfurt

liefen schon im Verlauf dieses Jahres mit Trikotwerbung auf – ohne Umwege über das Vereinslogo. In vielen Ländern und Disziplinen verlief es ebenso. Profisport wurde rasant und dramatisch kommerzialisiert.

Interessanterweise gab es aber ausgerechnet im Mutterland des kommerzialisierten Sports bis fast heute eine bemerkenswerte Ausnahme: College-Sport in den USA. Unter anderem im Football (eine wichtige Rekrutierungsquelle der NFL) war es bis Ende 2019 verboten, die Spieler zu bezahlen. Zwar machten und machen die Universitäten sehr viel Geld, die Spieler selbst erhielten jedoch nichts – was aber seit Jahren scharf diskutiert und deshalb abgeändert wurde.

Fazit

Dass Sport ein solch bedeutender Wirtschaftsfaktor ist, ist eigentlich untrennbar mit der Geschichte des Menschen verbunden. Tatsächlich ist sogar der Gedanke, dass Sport nicht kommerzialisiert werden sollte, eine vergleichsweise kurze geschichtliche Phase – Profis gab es fast immer.

Allerdings soll das nicht überdecken, dass die Kommerzialisierung und wirtschaftliche Bedeutung seit den 1970ern enorm viel Fahrt aufgenommen haben. So, wie dieser Einfluss noch größer werden wird, wird wahrscheinlich auch die Diskussion darüber anhalten. Allerdings ist es höchst unwahrscheinlich, dass sich das Prinzip nochmals abschwächt. Dazu ist Sport schlicht zu wichtig für die meisten Staatswirtschaften.

Kabinenfest - Gib dein Senf dazu

      Hinterlasse einen Kommentar

      Sport-1a
      Logo
      Passwort zurücksetzen